Wenn man die aktuellen Branchennews verfolgt, könnte man meinen, explodierende Baukosten seien ein unabänderliches Schicksal aus Marktkrisen, Inflation und bösen Überraschungen. In unserer täglichen Praxis sehen wir jedoch oft ein völlig anderes Bild. Baukosten explodieren selten aus dem Nichts; sie eskalieren vor allem dann, wenn in der frühen Planungsphase das Risiko zugunsten von Wunschdenken ausgeblendet wird. Kein Projekt läuft jemals zu einhundert Prozent reibungslos ab. Die alles entscheidende Frage ist daher nicht, ob Probleme auftreten, sondern ob wir sie im Vorfeld durch eine belastbare, risikobasierte Kalkulation bedacht und eingepreist haben.
Ein Beispiel bei der Vorbereitung der Ausschreibungen. Wir erstellen die Leistungsverzeichnisse nicht selbst, sondern unterziehen sie einer schonungslosen, kaufmännischen und technischen Prüfung. Die teuersten und ärgerlichsten Nachträge entstehen fast immer aus Leistungen, die schlichtweg vergessen wurden oder die unbemerkt in den komplexen Schnittstellen zwischen den Gewerken untergehen. Um Budgets verlässlich abzusichern, gehen wir bei der Bewertung der bepreisten Leistungsverzeichnisse ganz bewusst nicht vom idealen Verlauf aus. Wir integrieren gezielte, auf die jeweiligen Kostengruppen abgestimmte Puffer, um beispielsweise zu erwartende Rohstoffpreisschwankungen exakt dort abzufedern, wo sie am wahrscheinlichsten eintreten.
Wenn nach der Ausschreibung die Angebote der Baufirmen auf dem Tisch liegen, greift unser nächster Schutzmechanismus: Das preislich beste Angebot ist für uns noch lange nicht das wirtschaftlichste. Neben den nackten Zahlen fließt die intensive Prüfung der Anbieter in unsere Vergabeempfehlung ein. Durch unsere langjährige Erfahrung und unser gewachsenes Netzwerk können wir die tatsächliche Leistungsfähigkeit und Verlässlichkeit eines potenziellen Vertragspartners sehr gut einschätzen. Was nützt uns der attraktivste Preis auf dem Papier, wenn im Vorfeld bereits vieles darauf hindeutet, dass es in der Ausführung zu Kapazitätsengpässen, Qualitätsproblemen oder einer Flut an Nachträgen kommen wird?
Sollten im weiteren Bauverlauf dennoch unvorhergesehene Nachträge eingereicht werden, prüfen wir diese gewissenhaft und konsequent anhand der Urkalkulation. Unser Ziel ist es, unberechtigte Forderungen abzuwehren und sicherzustellen, dass nicht jede Kostensteigerung automatisch an die Bauherrschaft durchgereicht wird. Ein Projektbudget, das bereits in der Planungsphase harte Wahrheiten aushält, bildet letztlich das stärkste und sicherste Fundament für einen erfolgreichen Abschluss.
Ein Projektbudget, das von Beginn an ehrlich und risikobasiert kalkuliert ist, schützt alle Beteiligten vor späteren Diskussionen und finanziellen Schieflagen.
(Hinweis: Das für diesen Beitrag verwendete Foto wurde mit Künstlicher Intelligenz generiert.)

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