FRANKLIN Mannheim ist eines der bedeutendsten Stadtentwicklungsprojekte in Deutschland. Auf dem ehemaligen Gelände der US-amerikanischen Militärliegenschaften Benjamin Franklin Village, Sullivan Barracks und Funari Barracks entsteht seit einigen Jahren ein neuer Stadtteil, der Wohnen, Arbeiten, Mobilität, Freiräume und Nachbarschaft neu zusammen denkt. Heute ist FRANKLIN nicht mehr nur ein Konversionsprojekt, sondern ein reales Stück Stadt, das bereits von vielen Menschen bewohnt wird und weiter wächst.

Der Ursprung des Areals

Die Geschichte des heutigen FRANKLIN-Areals ist eng mit der Militärgeschichte Mannheims verbunden. Während der Zeit der US-Besatzung bestanden hier drei unterschiedliche Liegenschaften: die Funari Barracks, die Sullivan Barracks und das Benjamin Franklin Village. Das Benjamin Franklin Village entstand zwischen 1954 und 1957 als Wohnsiedlung für US-Soldaten und ihre Familien; auf rund 88 Hektar wurden etwa 2.000 Wohneinheiten mit Schulen, Kindergarten, Poliklinik, Kino, Kirche, Hotel, Geschäften und Freizeiteinrichtungen geschaffen.

Die Wurzeln einzelner Teilbereiche reichen noch weiter zurück: Die späteren Funari Barracks wurden bereits nach 1936 als Gallwitz-Kaserne errichtet. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs blieb die Präsenz der US-Armee in Mannheim über Jahrzehnte prägend; erst 2015 verließ das amerikanische Militär die Stadt endgültig. Damit wurde eine der größten Konversionsflächen Mannheims frei, die für eine neue städtebauliche Nutzung zur Verfügung stand.

Die Idee des neuen Stadtteils

Aus dem ehemaligen Kasernen- und Siedlungsgebiet sollte kein isoliertes Neubauviertel werden, sondern ein durchmischter, zukunftsfähiger Stadtteil mit eigener Identität. Mannheim entschied sich bewusst gegen eine rein standardisierte Entwicklung und setzte stattdessen auf einen offenen Planungsprozess, der soziale, räumliche und ökologische Fragen gemeinsam betrachtet. Ziel war es, aus einer gleichförmigen Militärsiedlung ein urbanes Quartier mit unterschiedlichen Wohnformen, Freiräumen, Versorgung, Mobilität und Nachbarschaft zu machen.

Dabei spielt die Größe des Areals eine zentrale Rolle: FRANKLIN umfasst rund 1,44 Millionen Quadratmeter und ist damit in etwa so groß wie die Mannheimer Innenstadt. Es wird als der 38. Stadtteil Mannheims entwickelt und soll perspektivisch rund 10.000 Menschen ein Zuhause geben sowie etwa 2.000 Arbeitsplätze schaffen. Schon heute leben mehrere Tausend Menschen dort; die offizielle Projektseite nennt für 2026 bereits 7.636 Einwohnerinnen und Einwohner vor Ort.

Planung und städtebauliches Konzept

Die Grundlage der Entwicklung bildet ein Rahmenplan, der in enger Zusammenarbeit mit dem dänischen Architekturbüro Tegnestuen Vandkunsten erarbeitet wurde. Die Stadt Mannheim nennt Vandkunsten ausdrücklich als Planungsgrundlage für FRANKLIN; zudem verweist die MWSP auf einen iterativen Planungsprozess, der aus Weißbuchprozess, Wettbewerben und Rahmenplanung ein stabiles Grundgerüst für die städtebauliche Entwicklung formte.

Das städtebauliche Konzept gliedert das Gesamtareal in unterschiedliche Teilräume, darunter Offizierssiedlung, Funari, Sullivan, Franklin Mitte und Columbus. Gerade diese Struktur macht FRANKLIN interessant: Statt einer einzigen monotonen Großsiedlung entsteht ein Quartier mit verschiedenen Maßstäben, Typologien und Atmosphären. Die Idee dahinter ist, urbane Dichte mit Grünräumen, kurze Wege mit klarer Orientierung und Bestandsnutzung mit Neubau zu verbinden.

Beteiligte Büros und Akteure

Bei einem Projekt dieser Größenordnung sind viele Akteure beteiligt. Die wesentliche Entwicklungsrolle übernimmt die MWSP, die Mannheimer Wohn- und Stadtentwicklung Projektentwicklungsgesellschaft, gemeinsam mit der Stadt Mannheim. Die MWSP beschreibt sich als interdisziplinäres Team aus Stadtplanerinnen, Bauingenieurinnen, Landschaftsarchitektinnen und Sozialwissenschaftlerinnen, das die Konversionsflächen FRANKLIN, TURLEY, TAYLOR und SPINELLI entwickelt.

Für den städtebaulichen Rahmenplan war vor allem Tegnestuen Vandkunsten prägend. Für einzelne Bauabschnitte und Gebäude kamen weitere Planungs- und Architekturpartner hinzu, darunter bei der Offizierssiedlung in Wettbewerbsverfahren unter anderem Fischer Architekten sowie Sahle Wohnen, während für Funari ein Verfahren mit mehreren Preisgerichten und Planungsbeteiligten dokumentiert ist. Auf der Teilfläche Franklin Mitte wurde ein Konzeptwettbewerb von Innovatio, Profund und Sauerbruch Hutton gewonnen; das Projekt „Franklin Village“ erhielt später den Deutschen Architekturpreis 2025.

Architektur zwischen Bestand und Neubau

Ein wesentliches Merkmal von FRANKLIN ist der bewusste Umgang mit dem vorhandenen baulichen Erbe. Nicht alles wird abgerissen; vielmehr bleibt ein Teil der Bestandsgebäude erhalten und wird in neue Nutzungen integriert. Dadurch entsteht kein Austausch von „alt gegen neu“, sondern eine städtebauliche Weiterentwicklung, die Geschichte sichtbar lässt und dem Quartier Tiefe gibt.

Architektonisch zeigt sich FRANKLIN als Mischung aus unterschiedlichen Haustypen, Baustoffen und Freiraumkonzepten. Die Projektseite hebt nachhaltige Ansätze wie autarke Energieversorgung, Holzbau, den Erhalt vieler Bestandsgebäude, klimaresistente Pflanzungen und große entsiegelte Flächen hervor. Besonders das Projekt Franklin Village steht für einen hohen Anspruch an Gestaltung und soziale Qualität; es wurde 2025 mit dem Deutschen Architekturpreis ausgezeichnet und von Sauerbruch Hutton für Innovatio Projektentwicklung und Profund realisiert.

Mobilität und Vernetzung

FRANKLIN ist nicht als abgeschlossene Insel geplant, sondern als Quartier mit starken Verbindungen in die Stadt. Ein zentrales Infrastrukturprojekt ist der FRANKLIN Steg über die B38, der FRANKLIN mit Vogelstang verbindet und damit eine bislang trennende Verkehrsschneise überwindet. Die Projektseite beschreibt ihn als barrierefreie, nachhaltige Holzstruktur für Fuß- und Radverkehr; die Eröffnung wurde 2026 öffentlich freigegeben.

Hinzu kommen weitere Maßnahmen wie die neue Stadtbahntrasse innerhalb des Quartiers, der Ausbau der Straßen im Endzustand und die Entwicklung einer inneren Achse, die Europa-Achse genannt wird. Solche Elemente sind mehr als Verkehrsinfrastruktur: Sie schaffen Orientierung, stärken die Alltagsmobilität und verknüpfen die unterschiedlichen Quartiersbereiche funktional miteinander.

Soziale Mischung und Alltag

Ein zentrales Ziel von FRANKLIN ist die Mischung. Das Quartier soll nicht nur Wohnraum bieten, sondern verschiedene Lebensmodelle, Einkommensgruppen und Nutzungen zusammenbringen. Die Projektseite nennt rund 4.700 neue Wohneinheiten, davon ein Drittel im preisgünstigen Segment, sowie etwa 35 Prozent Grün- und Freiräume auf dem Gelände. Das ist ein starkes Signal für ein Quartier, das nicht allein über Gebäude, sondern über Lebensqualität definiert wird.

Auch die soziale Infrastruktur wächst mit. Mit Schule, Quartiersangeboten, Nahversorgung und öffentlichen Räumen entwickelt sich FRANKLIN zunehmend zu einem funktionierenden Stück Stadt. Dass bereits mehrere Tausend Menschen dort leben, zeigt, dass der Stadtteil nicht nur Zukunftsvision ist, sondern schon heute im Alltag angekommen ist.

Aktueller Stand

Der aktuelle Stand zeigt ein Projekt im Übergang von der Bauphase zur urbanen Reife. Die Projektseite spricht von einem Modellgebiet für das Wohnen der Zukunft; 2026 waren bereits 7.636 Menschen vor Ort, und die Entwicklung ist weiterhin im Gang. Gleichzeitig wurden wichtige Meilensteine erreicht, etwa der Richtfest-Status des Nahversorgungszentrums FRANKLIN Grüne Mitte, die Fertigstellung einzelner Straßenabschnitte, die Eröffnung des FRANKLIN Stegs und der Ausbau weiterer Teilflächen.

Damit ist FRANKLIN heute weder fertiges Endprodukt noch bloße Baustelle, sondern ein wachsender Stadtteil mit klarer städtebaulicher Idee. Die Kombination aus Konversion, architektonischer Qualität, nachhaltiger Mobilität, sozialer Mischung und großzügigen Freiräumen macht das Projekt zu einem der spannendsten Quartiersentwicklungen in Mannheim und weit darüber hinaus.

Bedeutung für Mannheim

FRANKLIN steht exemplarisch für den Umgang mit ehemaligen Militär- und Konversionsflächen in deutschen Städten. Wo früher abgeschlossene Kasernenstrukturen das Gelände prägten, entsteht nun ein offenes Quartier mit urbaner Dichte, guter Anbindung und eigenem Charakter. Das Projekt zeigt, wie aus historisch belasteten oder funktional überholten Flächen ein neuer Stadtbaustein werden kann, ohne die Vergangenheit zu verdrängen.

Gerade für Mannheim ist das von besonderer Bedeutung, weil die Stadt mit mehreren Konversionsflächen arbeitet und FRANKLIN als größtes dieser Gebiete eine Vorreiterrolle einnimmt. Es ist ein Beispiel dafür, wie Stadtentwicklung in langen Zeiträumen funktioniert: vom militärisch genutzten Areal über die Konversionsentscheidung bis hin zum lebendigen Stadtteil, der sich Schritt für Schritt verdichtet und ausdifferenziert.

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