Ein Bericht von Thorsten Busse
Die aktuelle Eskalation im Nahen Osten ist weit mehr als eine Nachricht aus der Ferne. Für uns im Kostencontrolling und in der Projektsteuerung allgemein zeichnen sich bereits jetzt handfeste Konsequenzen für die Wirtschaftlichkeit laufender und kommender Bauvorhaben ab.
Hier müssen wir mit Kostensteigerungen rechnen.
Energieintensive Baustoffe:
Die Produktion von Stahl, Zement, Glas und Aluminium reagiert extrem sensibel auf die gestiegenen Öl- und Gaspreise. Da die Energiepreise durch die Unsicherheit an der Straße von Hormus massiv angezogen haben, steigen die Herstellkosten dieser Materialien direkt an.
Kraftstoffe und Logistik:
Der Dieselpreis auf Rekordniveau verteuert jeden Erdaushub und jede Materiallieferung. Transportzuschläge werden in den kommenden Wochen vermutlich zum Standard in neuen Angeboten.
Bitumen und Kunststoffe:
Da Erdöl die Basis für Bitumen und viele Dämmstoffe oder Rohre (PVC/PE) ist, schlagen die Rohölpreise hier unmittelbar auf die Materialpreise durch.
Die Lage der Lieferketten:
Die Schließung oder Umgehung wichtiger maritimer Korridore wie der Straße von Hormus und des Roten Meeres führt zu einem doppelten Logistik-Schock. Schiffe müssen das Kap der Guten Hoffnung umrunden, was die Fahrzeiten um 10 bis 15 Tage verlängert.
Das bedeutet für unsere Projekte:
Höhere Frachtraten und zusätzliche Kriegsrisikoprämien bei Versicherungen.
Verzögerungen bei der Anlieferung von Komponenten aus Asien, insbesondere bei technischer TGA- und Photovoltaik-Komponenten.
Ein erhöhtes Risiko für den Stillstand auf der Baustelle durch fehlende Just-in-time-Lieferungen.
Neben den direkten Materialkosten gibt es zwei "weiche" Faktoren,
die unsere Kalkulationen belasten könnten:
Bauzinsen und Inflation:
Die durch die Energiepreise getriebene Inflation könnte die Zentralbanken dazu zwingen, die Zinsen länger hochzuhalten oder sogar erneut anzuheben. Das verteuert die Zwischenfinanzierung erheblich.
Risikoaufschläge der Bieter:
In einem volatilen Markt sichern sich Nachunternehmer durch höhere Wagnis- und Gewinnanteile ab. Festpreisgarantien werden seltener oder teurer eingekauft.
Die aktuelle Situation erfordert von uns eine noch engmaschigere Überwachung der Stoffpreisgleitklauseln und eine proaktive Risikoanalyse in der Budgetplanung. Es gilt, Liefertermine frühzeitig zu sichern und Puffer für unvorhersehbare Preisentwicklungen realistisch einzuplanen.

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